Zeitungsberichte:


Malerin entführte in Dschungellandschaft.

Oberkirch-Zusenhofen (brx).  Eigentlich war es eine ganz normale Vernissage in der Galerie Prestel in Zusenhofen. Die Schweizer  Malerin Relindis stellte ihre Ausstellung »Märchen-landschaften« vor. Doch daraus wurde ein »Multi-Kultur-Event«. Denn Gloria Relindis Colomb, so der vollständige Name der Künstlerin,  hat deutsche Wurzeln, ist in der Schweiz auf-gewachsen und lebt in Frankreich.

Der musikalische  Gast, Uwe Stemmler, war auch schon der Schweiz gemeldet, hat lange in Italien gelebt und  wohnt jetzt in Frankreich. Galerist Josef Prestel, der ihn am Piano begleitete, war und  bleibt in Zusenhofen.

Gewaltiger Sänger

Relindis hatte in diesem Trio den stummen Part mit  ihren Bildern an der Wand. Uwe Stemmler  spielt nicht nur Gitarre, Banjo, Mundharmonika und »elsässische Trompete«, sondern riss mit  seiner gewaltigen Stimme, die auch ohne Mikrofon die Wände erzittern ließ, seinem mimischen  und gestischen Temperament das Publikum zu Beifallsstürmen hin. Ob Blues, Swing, italienische  Arien oder ein schweizerisches Liebeslied, das er nun um die Welt tragen will: Uwe Stemmler sang sich zunehmend in Trance.

Relindis entführt ihr Publikum in märchenhafte,  dschungelartige Landschaften, die keinen Blick  in die wirkliche Welt gestatten, mit ausufernden, sich gegenseitig bedrängenden Bildideen. Dabei setzt die Malerin heimische und auf  Reisen gewonnene Eindrücke in die Nachbarschaft einer eigentümlich versponnenen Welt.  Tatsächlich hat sie sich in ihrem früheren Brotberuf als Grafikerin mit Makrofotografie beschäftigt. Das erklärt vielleicht ihre distanzlose Nahsicht und ornamentale Fülle. Die  »Märchenlandschaften« sind noch bis zum 2. Mai bei Veranstaltungen der Galerie Prestel oder nach Voranmeldung  (• 0 78 05 / 91 07 32) zu sehen.

Text/Foto: Rainer Braxmaier/Nicole Braxmaier, 15.4.2019


Von Offenburg unbemerkt, ging in Zusenhofen die Post ab.

 Wäre Rainer Braxmaier nicht bildender Künstler geworden, er hätte sich vielleicht Verfasser von Kurzgeschichten in der Art eines Mark Twain künstlerisch ausgedrückt. Braxmaiers Lesung eines eigenen Textes am Freitagabend in der Galerie Prestel im Oberkircher Ortsteil Zusenhofen war spaßig und mit Selbstironie.

"Die Kulturgeschichte Zusenhofens im Spiegel meiner Biographie" war das Script betitelt. Vor genau 40 Jahren kam Braxmaier nach Oberkirch. Insbesondere Zusenhofen und dessen kleine Kneipen- und Caféhaus-Szene trug dazu bei, dass er sich in der Ortenau wohlfühlte. Überdies läuft in der vor einem Jahr eröffneten Galerie Prestel gerade eine Ausstellung mit Braxmaiers Werken.

 

"Da ich Zusenhofens Kultur in meiner Biographie spiegle, muss ich zunächst den Spiegel vorstellen", begann der 1949 in Baden-Baden geborene Künstler launig – und erzählte von seiner Kindheit und Jugend. Etwa wie ein Ausbrecher aus dem nahe gelegenen Baden-Badener Gefängnis den Garten eines Freundes als Fluchtweg wählte. "Das wünschte ich mir damals glühend auch für mich. Leider blieb es unerfüllt." Das erinnert doch sehr an Tom Sawyer und Huck Finn. Später, nach Kontakt mit der 68er-Bewegung, machte sich der 19-jährige Braxmaier daran, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu erschüttern. In einem Theaterstück, das ein Freund verfasst hatte, spielte er die Hauptrolle, saß dabei drei Stunden lang in einem Käfig auf der Bühne und gab Ur- und Grunzlaute von sich.

1978 dann der Wechsel nach Oberkirch, als Kunstlehrer ans Hans-Furler-Gymnasium. Der Rektor und er seien sich gegenüber gesessen, und beide dachten: "Das kann doch nicht wahr sein", so Braxmaier ironisch. Dann – endlich – Zusenhofen! Braxmaier, Oberkirchs Szene" suchend, hörte vom Hirschen in Zusenhofen. Der wurde von Franz Peghini betrieben, der zuvor den Freihof in Schutterwald zum Szenetreff gemacht hatte. Auch der Hirschen wurde Treffpunkt, von der Anti-Atomkraft-Bewegung bis hin zu den Künstlern,  und die Musiker unter den Gästen bedienten das im Schankraum stehende Klavier. Dann gab es noch die "Linde" mit Ilona, die ähnlich beliebt war, und das Caféhaus Schneider von Irene Schneider und ihrem Bruder, dem Bar-Pianisten Jo Prestel. "Der Jazz-Drummer Charlie Antolini, der Pantomime Benito Gutmacher, der Kabarettist Georg Schramm und viele weitere Künstler traten dort auf", erinnert sich Braxmaier. Vom 15 Kilometer entfernten Offenburg weitgehend unbemerkt, ging im 1800-Einwohner-Dorf Zusenhofen die Post ab – mit Braxmaier mittendrin. Heute ist der Hirschen wieder ein bürgerliches Lokal, das Caféhaus Schneider ist passé. Stattdessen gibt es die Galerie Prestel, mit Imbiss, Cocktails, Kunst und Musik. Und mit Braxmaier, der sich in Zusenhofen noch immer wohlfühlt.

Text/Foto: Robert Ullmann, Badische Zeitung, 12.6.2018


Gabi Streile, Tulpen und andere Lebensmittel...

 

Wer vermutet eine ausgesprochen schicke CaféBar mit Designermöbel und hochklassiger aktueller Kunst in einem Vorort von Oberkirch? Vorurteile sind dazu da, widerlegt zu werden. Schon die Fassade des einstigen Laden-geschäftes erregt Aufsehen. So etwas sieht man sonst eher in Berlin oder einer Vorstadt von New York.

Der Eintritt in die Galerie Prestel eröffnet einen stimmungsvollen Blick auf eine dezent angestrahlte Bar und edel schwarz/rot lackierte Tische. Bequeme Lederswinger warten auf „Großstadtgäste“ mit gutem Geschmack und Sinn für sinnliche Kunst bei dezentem Jazz. Die prächtigen Bilder, obschon den Besucherkreis umrahmend, sind Mittelpunkt dieser Inszenierung, die sofort unter die Haut geht. Ein Quartett kleiner Landstücke links, die rechts hinter dem ersten großen Tisch auf Ihre beträchtliche Vergrößerung verweisen, begleiten die Gäste zu einem Garten prächtiger roter Tulpen. Hinter dem Tresen erfüllt eine erotische Melone alle Erwartungen an das Sujet Cocktailbar. Sektgläser klimpern zur Begrüßung der Künstlerin.

Gabi Streile wird wärmstens empfangen von einem Swingtrio: Hannah Kaechelen (Gesang), Klaus Kaufmann (Gitarre), Josef Prestel (Klavier). Ein raumfüllender Klang wird mit dem Echo eines Festtagsstraußes im Riesenformat beantwortet. Die Gäste sitzen dort, unter einer großen blauen und grünen Landschaft, quasi im Freien und schauen auf gehauchte Aquarelle, bevor in einem Séparé ausgewähltes Mobiliar aus den 20er Jahren bis heute den Augen und Rücken schmeichelt.

Zuviel geschwärmt? Nun, der Verfasser dieser ans Romatische grenzenden Zeilen hat schon einmal in grauer Vorzeit in Zusenhofen gewohnt und in diesen Zeiten seine Frau, die beschriebene Malerin kennengelernt. Hätte es diese Café/Galerie/Bar damals schon gegeben, vielleicht wären sie nie weg- gezogen.

Ausstellung in der Galerie Prestel: 10.11. - 18.12.2017

 

Werner Schmidt, 15.11.17


Kleinod in Entstehung:

Die „Offene Bühne“ in der Galerie Prestel in Zusenhofen begeistert Publikum und Künstler /27. Januar 2018 gibt es die nächste Show in der Galerie.

Proppenvoll war die Galerie Prestel schon kurz nach Türöffnung und das extrem durchmischte Publikum – von 6 bis 90 – wurde mit einem extrem abwechslungsreichen Programm bestens unterhalten. Die Kinder waren wegen den Schlangen da, die Anja Koppert alias Lantana

präsentierte: eine Kalifornische Kettennatter, eine Königs Python und eine rund zwei Meter lange Abgottschlange (Boa constrictor). Die Appenweierin zeigte einen Auszug aus ihren Shows mit orientalischem Bauchtanz, Feuer und eben Schlangen. Das Publikum durfte sie auch anfassen. Einige verzogen sich halb panisch; die Kinder streichelten die Schlangen und legten sie sich um.. Dann begeisterte die 20-jährige Jazzsängerin Hannah Kaechelen von Offenburg mit ihrer ausdrucksstarken Stimme. Kongenial am Piano begleitet wurde sie von Galerist Josef Prestel höchst selbst, gestreng nach seinem Motto: „Ohne Proben ganz nach oben!“ Spontan dazu und als Bereicherung herausgesellt hat sich mit seinem Cajón („Kistentrommel“) Martin Schleich von der Band „Strange Company“, die später den Abschluss des Abends gestalteten. Aber vorher trat Lokalmatador Thomas Welle, City Champ von 2008, auf. Applaus,

Johlen; Heimvorteil. Deutsches Liedergut. Übers Saufen, Kiffen und im Sitzen pinkeln – „zum Frieden der Geschlechter“. Manchmal hart an der Gürtelschnallengrenze für ein Galeristen-Publikum - aber sein Fanclub klatscht und grölt.

Ein heiterer Abend, den die Offenburger Akustik-Rocker „Strange Company“ zu Ende bringen – mit einem Sound, der auch die älteren Damen und Herren mit den Beinen wippen und auf den Tisch klopfen lässt: gekonnt interpretierter cooler Blues von Jethro Tull bis Stevie Wonder. Wunderbar!

Wenn das so weitergeht, entwickelt sich die Galerie Prestel zu einem schillernden Kleinod der Kleinkunst.

Text/Foto: Andreas Krebs